Stadtwerke zwischen Transformation, Wettbewerb und Kundennähe: Welche Themen jetzt wirklich zählen
Die Stadtwerkestudien von BDEW und EY der vergangenen Jahre zeigen ein klares Bild: Stadtwerke stehen gleichzeitig vor mehreren gleichzeitigen Umbrüchen. Energiewende, Wärmewende, Digitalisierung, Fachkräftemangel, IT-Sicherheit, Regulatorik und Finanzierung sind jeweils für sich selbst bereits große Herausforderungen, greifen aber auch ineinander.
Ein Blick auf die wichtigsten Handlungsfelder, die in den Stadtwerke-Studien von 2022 bis 2026 identifiziert wurden, zeigt dabei drei Entwicklungen besonders deutlich: Erstens bleiben Digitalisierung und IT-Sicherheit dauerhaft weit oben auf der Agenda. Zweitens gewinnen Kooperationen spürbar an strategischer Bedeutung. Drittens rücken Absatz und Marketing wieder stärker in den Fokus – vor allem als strategische Antwort auf Wettbewerb, Margendruck und verändertes Kundenverhalten.

Die großen Themen bleiben – aber die Gewichtung verschiebt sich
Digitalisierung, Cybersecurity, Fachkräftemangel, Wärmewende und Erneuerbare Energien prägen seit Jahren die Stadtwerkeagenda. Der Ausbau erneuerbarer Energien erreichte 2023 mit 89 % einen Spitzenwert, 2026 liegt der Wert nur noch bei 64 %. Der Rückgang bedeutet vor allem, dass derzeit andere Themen stärker nach vorne drängen: Prozesse, Finanzierung, Kooperationen, Netze und Kundenmanagement.
IT-Sicherheit bleibt mit 83 % im Jahr 2026 dauerhaft relevant. Für Stadtwerke ist Cybersecurity mittlerweile Teil der Sicherung kritischer Infrastruktur. Auch der Fachkräftemangel bleibt ein strukturelles Thema, obwohl der Engpass aktuell geringer wird: Nach jeweils über 80% in den letzten 3 Jahren lag „Personalgewinnung“ 2026 trotz Entspannung auf dem Arbeitsmarkt noch bei 69 %. Auch IT-Sicherheit bleibt ein Dauerbrenner. Seit 2022 bewegt sich das Thema durchgängig auf sehr hohem Niveau und lag im Jahr 2026 bei 83 %.
Absatz und Marketing: zurück auf der Agenda
Besonders spannend ist die Entwicklung von Absatz, Marketing, Kundenbetreuung und CRM. Der Wert lag 2022 bei 62 %, fiel 2023 auf 48 %, und stieg bis 2026 wieder auf 66 %. Absatz und Marketing gewinnen somit nach der Krisen- und Regulierungsphase wieder an Gewicht.
Dabei geht es nicht um eine Rückkehr zum alten Commodity-Vertrieb. Im Gegenteil: Das klassische Strom- und Gasgeschäft steht unter Druck. Wettbewerb, sinkende Margen, steigende Akquisekosten und eine erhöhte Wechselbereitschaft der Kunden machen deutlich, dass Wachstum nicht mehr automatisch über Tarifwechsel und Neukundengewinnung entsteht. Stadtwerke müssen vielmehr die Kundenbeziehungen systematischer entwickeln und die Kundenschnittstelle auch beim Heizungswechsel oder Umstieg auf E-Autos besetzt halten.
Zentrale Themen sind Kundensegmentierung, die Schaffung digitaler Kundenschnittstellen sowie Cross-Selling rund um Photovoltaik, Wärmepumpen, Elektromobilität und Energiedienstleistungen.
Kooperationen werden zum Umsetzungshebel
Kooperationen als ein Weg zur Bewältigung der anstehenden Herausforderungen für Stadtwerke werden von 76% der Befragten Stadtwerke als wichtiges Thema eingestuft, ein deutlicher Anstieg von 59% im Jahr 2022.
Die Gründe liegen auf der Hand: Die Aufgaben werden größer, komplexer und vor allem kapitalintensiver. Kein Stadtwerk kann alle Themen allein in gleicher Tiefe bearbeiten – weder fachlich noch personell noch finanziell. Kooperationen können helfen, Skaleneffekte zu nutzen, Kompetenzen zu bündeln, Investitionsrisiken zu teilen und schneller handlungsfähig zu werden.
Finanzierung als Top-Thema der aktuellen Stadtwerkestudie
Neben den oben genannten Themen nimmt das Thema Finanzierung eine zentrale Rolle in der aktuellen Stadtwerkestudie 2026 ein. Die Studie macht deutlich, dass der Umbau der Energieinfrastruktur neben der gesamten Komplexität vor allem eine Finanzierungsfrage wird.
Der Investitionsbedarf steigt massiv. Für 89 % der befragten Stadtwerke bedeutet die Energiewende einen Investitionshochlauf deutlich über das bisherige Niveau hinaus – mindestens 25 % über dem langjährigen Durchschnitt. Gleichzeitig sehen sich 92 % der befragten Stadtwerke nur eingeschränkt bis gar nicht in der Lage, die notwendigen Investitionen allein aus eigenen Mitteln zu finanzieren.

Damit schließt sich der Kreis zu Kooperationen und M&A. Wer Transformationsinvestitionen stemmen will, muss entsprechende Strukturen schaffen: Partnering-Modelle, Beteiligungsoptionen, Joint Ventures, Portfoliobewertungen und Transaktionsfähigkeit werden zu zentralen Fähigkeiten.
Fazit: Wer Transformation finanzieren will, muss das Kerngeschäft stärken
Die Stadtwerkestudien zeigen: Die Branche bleibt stark von Infrastruktur-, Regulierungs- und Transformationsthemen geprägt. Gleichzeitig gewinnen Themen rund um Vertrieb, Marketing und Kundenmanagement wieder an Relevanz, weil Stadtwerke ihre Investitionen langfristig nur dann tragen können, wenn das Kerngeschäft stabil bleibt und neue Geschäftsfelder beim Kunden ankommen.
Gerade im Wettbewerb um Kunden, Fachkräfte und Kapital werden Kooperationen zu einem Schlüsselfaktor, wie auch die aktuelle Befragung von Kreutzer Consulting und grubengold zur Relevanz und dem Reifegrad von Kooperationen in der Energiewirtschaft in einem bald erscheinenden Whitepaper zeigt.
Kreutzer Consulting unterstützt Stadtwerke bei genau diesen Fragestellungen – von der Entwicklung tragfähiger Kooperationsstrategien über die Bewertung von Partner- und Beteiligungsmodellen bis hin zur Begleitung von M&A-Prozessen. Sie möchten die Entwicklungen für Ihr Stadtwerk einordnen und konkrete Handlungsoptionen ableiten? Sprechen Sie uns gerne an – wir freuen uns auf den individuellen Austausch mit Ihnen.
